Verstärker
Der Begriff Verstärker (engl.: Amplifier oder Amp) ist eigentlich eine ungenaue Bezeichnung, denn man unterscheidet zwischen Vorverstärker (auch Vorstufe oder engl.: Preamp genannt) und Leistungsverstärker (bzw. Endstufe oder engl.: Power-Amp). In der Vorstufe findet die wesentliche Soundbeeinflussung und Klangreglung statt, die Endstufe erzeugt die erforderliche Leistung, die den Lautsprecher antreibt, nicht ohne dabei ihrerseits den Klang entscheidend mitzuprägen. Sind Vorstufe und Endstufe zusammen mit dem oder den Lautsprechern in einem Gehäuse untergebracht, spricht man von einem Combo. Vorstufe und Endstufe in einem von der Lautsprecherbox getrennten Gehäuse werden oft als Top oder Head bezeichnet, da sie später meist auf einer Box platziert werden.
Der technische Fortschritt seit der Entwicklung der ersten Gitarrenverstärker hat unterschiedliche Technologien hervorgebracht, die heute gleichberechtigt nebeneinander existieren:
Transistortechnik (engl.: Solid State): Die ersten in den 1970er Jahren gebauten Gitarrenverstärker ohne Röhren brachten dem Transistor nicht den besten Ruf ein. Sie waren zwar leicht, aufgrund der geringeren Wärmeentwicklung weniger anfällig und günstiger in der Anschaffung, allein der Sound konnte damals nicht gefallen. Mittlerweile hat die Solid-State-Technik deutlich aufgeholt, und aufgrund trickreicher Schaltungen sind gute Transistorverstärker heute im Klang kaum noch von Röhrenverstärkern zu unterscheiden, und viele der größten Verstärkerhersteller haben heutzutage sowohl Röhren- als auch Transistor-Amps im Programm. Wichtig: Die erreichbare Endlautstärke ist bei Transistorverstärkern deutlich geringer als bei Röhrenverstärkern mit gleicher Leistungsangabe.
Hybrid: Als Hybridverstärker bezeichnet man solche, in denen sowohl Transistoren als auch Röhren zum Einsatz kommen. Meist wird in diesen Verstärkern eine einzelne Röhre in der Vorstufe zur Soundprägung eingesetzt, während man in der Endstufe auf Transistoren zur Kosten- und Gewichtsreduktion setzt. Das Ziel ist klar: Die Vorteile beider Technologien sollen miteinander vereint werden.
Modeling/Digitaltechnik: Bei Modeling-Amps arbeitet in der Vorstufe ein Computer, der die Klänge berühmter Verstärker authentisch auf digitalem Wege nachbilden soll. Diese Technik ist heute soweit ausgereift, dass sie immer häufiger in Tonstudios, aber auch auf Live-Bühnen zum Einsatz kommt, da sie die Möglichkeit bietet, viele unterschiedliche Sounds abrufbereit zu speichern.
Canale Grande
Als Kanäle bezeichnet man bei Gitarrenverstärkern die vorhandenen Vorstufensektionen und die daraus resultierende Anzahl der voreinstellbaren und zumeist per Fußschalter abrufbaren Sounds. Bis in die Siebziger besaßen Gitarrenverstärker separate Eingangsbuchsen für die unterschiedlichen Kanäle, damit mehrere Musiker gleichzeitig über denselben Verstärker spielen konnten. Dies gibt es heute nur noch bei originalgetreuen Neuauflagen (engl.: Reissues) klassischer Verstärker. Auch einkanalige Verstärker finden heute noch viele Freunde, da sie oft besonders sensibel auf die angeschlossene Gitarre oder Bodeneffekte reagieren.
Combos vs Stacks vs Racks
Die Kombination aus Verstärker und Lautsprecherbox in einem Gehäuse ist nicht nur wegen ihrer Transportfreundlichkeit beliebt, sondern auch aufgrund des sich schön im Raum verteilenden Sounds der hinten meist offenen Lautsprechergehäuse. Wer den kompakteren, oft druckvolleren Klang geschlossener Boxen bevorzugt, greift zum so genannten Stack, der Kombination aus Verstärker-Topteil und Box, die nicht nur bei Hard- und härteren Rockern auf Zuspruch stößt. Wer Vorstufe und Endstufe separat auswählen und mit Studioeffekten im 19“-breiten Einbauformat kombinieren will, stellt sich ein Rack-System zusammen – eine sehr individuelle und variable Art der Gitarrenverstärkung, die besonders in den 80er und 90er Jahren angesagt war.
Welche Box für welchen Sound?
Während Lautsprecherboxen mit hinten geschlossenem Gehäuse den druckvolleren und kompakteren Sound liefern, bieten offene Boxen oft einen Sound, der mit demselben Attribut, nämlich „offen“, umschrieben wird. Für das Klangvolumen sind aber auch zwei weitere Faktoren entscheidend, nämlich Gehäusegröße und Lautsprechergesamtfläche. Als Faustregel darf gesagt werden, dass mit der Anzahl und Größe der Lautsprecher und dem Gehäusevolumen auch die Klangfülle ansteigt, während kleine Lautsprecher die schnellere, dynamischere Ansprache und oft feinere Höhenauflösung bieten. Lautsprecherdurchmesser werden üblicherweise im Längenmaß Zoll/Inch angegeben, ein Zoll entspricht 2,54 Zentimetern. Typische Standards sind Boxen mit zwei oder vier Zwölfzoll-Lautsprechern für druckvolle Hard- and Heavy-Sounds, kompakte Boxen mit einem Zwölfzöller für mittenstarke Soloklänge sowie Boxen mit zwei Zehnzöllern die besondere Stärken nicht nur im verzerrten, sondern auch im cleanen Bereich entwickeln.

















